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 Image Frantz Wittkamp
Jenny Brosinski (IllustratorIn)

Gute Nacht oder Der lange Weg ins Bett
Bilderbuch

Atlantis Verlag
Zürich 2005
ISBN 3-71 52-0516-4
32 Seiten


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Frantz Wittkamps langes Gute-Nacht-Gedicht begleitet kleine Kinder behut- und unterhaltsam auf dem Weg ins Reich der Träume. Leicht und fließend schlängelt sich das Gedicht wie ein Bächlein durch die Gegend, zunächst durch die Stadt, dann vorbei an Häusern und anderen Gebäuden, und überall begegnen dem Betrachter merkwürdige Figuren, die die Illustratorin Jenny Brosinski dazu gezeichnet hat. Wittkamps unaufgeregter Text, der ganz und gar auf Sensationelles verzichtet, korrespondiert ausgezeichnet mit Brosinskis kleinteiligen fantasievollen Zeichnungen, denn sowohl Text als auch Bilder haben auf ihre Weise das Ziel, dem Kind den Weg zum Schlaf so angenehm wie möglich zu machen: Wittkamp erreicht dies durch den ruhigen Rhythmus seiner Sprache, Brosinski durch eine Flut zu entdeckender Details in den Zeichnungen, so dass nach kurzer Zeit die Augen ganz von selbst zu fallen.

Wie ein roter Faden zieht sich Wittkamps Text durch das Buch, dessen Farbkonzept von Jenny Brosinski eher in Braun- und Grüntönen gehalten ist, das jedoch auf mehreren Doppelseiten von kräftigen farbigen Akzenten aufgehellt wird. Wittkamps Reime erinnern in ihrem Versmaß an klassische Bilderbücher wie „Die Häschenschule“ und ermöglichen es auch kleineren Kindern, den Text schon bald mitzusprechen. Die Illustrationen gehen allerdings weit darüber hinaus, nur den Text zu illustrieren – sie ergänzen ihn um eine Vielzahl an Figuren und Szenerien, die im Text selbst nicht vorgesehen sind, aber ohne weiteres neben ihm stehen können. Schon zu Beginn des „langen Weges“ trifft man in der Stadt Radrennfahrer und jubelnde Greise, Schafe mit avantgardistischen Frisuren und Pferde auf Schlittschuhen. Verlässt man die Stadt später, begegnet man einer Gruppe unauffällig schaufelnder Eisbären bei einem Ausbruchsversuch, betenden Schafen oder Seiltänzern, die auf dem roten Faden über drei Doppelseiten balancieren. Brosinskis Zeichnungen verzichten glücklicherweise auf alles Niedliche. Sie traut den Kindern vielmehr den Gebrauch ihrer eigenen Fantasie und Interpretationsfähigkeit zu. Ungewohnte Größenverhältnisse, windschiefe Häuser, in die man teilweise per Querschnitt hineinschauen kann wie in Puppenhäuser und seltsam proportionierte Menschen bevölkern ihre Bilder und zitieren häufig auch (den Kindern) Bekanntes, wie Rotkäppchen und den Wolf, die hier allerdings beim gemeinsamen Picknick zu sehen sind.

Wenn am Ende dieses wirklich langen Weges dann sogar ein Haus mit Bett bereit steht, das Buch zugeklappt ist, dann steht dem eigenen Träumen sicher nichts mehr im Weg!

Heike Friesel
Dezember 2006



  
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