Sparte: Kinder- und Jugendbuch

Volker Präkelt
Ulf K. (Illustrator)

Limbradur

Erzählung

Ab in den Weltraum – Physik für Zauberschüler

Für Menschen, die naturwissenschaftlich nicht so begabt sind und auch solche die das Thema begeistert, können „Physik“ und „Zauberei“ manchmal zu Synonymen werden. Durchaus passend also, dass Limbradur alias Luke in dem erzählenden Sachbuch „Limbradur und die Magie der Schwerkraft“ ausgerechnet mit einem Zauberstab ausgerüstet ist, als er mehr über Relativitätstheorie und Gravitationswellen erfährt.

Doch der Reihe nach: Lukas – Luke – Jacobsen ist fast 12, er hat eine kleine Schwester, für die er manchmal zum Zauberschüler Limbradur wird. Seine Mutter ist tot, sein Vater baut Roboter. Ein wenig naturwissenschaftliches Verständnis ist Luke also schon in die Wiege gelegt worden. Er hat ein besonderes Faible für die Raumfahrt, sein Traum ist es, ins All zu fliegen. Sein dringendster Wunsch ist es jedoch erst mal, von Ole zum Geburtstag eingeladen zu werden. Ole, der King in der Klasse, fordert seine potenziellen Gäste zu obskuren Mutproben auf – wer sich drückt, bekommt keine Einladung. Lukes Aufgabe: Er soll sich nachts in das neue Albert-Einstein-Museum schleichen und ein „Souvenir“ mitbringen, quasi die Eintrittskarte zur Party. Und so kommt es, dass sich Luke vor der Tür des Museum wiederfindet – mit seinem Zauberstab in der Hand. Den hat er eigentlich nur dabei, weil er seiner Schwester erzählt hatte, er ginge zu einem Zauberschülertreffen.

Auch wenn Luke im Museum keine Zauberschüler trifft – magisch wird’s trotzdem: Dank Alby X 3. Der kleine, schwebende Roboter ist ebenso vorwitzig wie altklug und weiß alles über Einstein, Quantenphysik und die Relativitätstheorie. Er nimmt Luke mit auf eine abenteuerliche Reise durch Raum und Zeit: Luke bekommt im Albert-Einstein-Museum nicht nur eine nächtliche Privatstunde über physikalische Raum- und Zeittheorie, lernt Unterschied und Zusammenhang zwischen Masse und Gewicht, erfährt viel über die Biografien von Isaac Newton und Albert Einstein, sondern Alby nimmt Luke auch mit ins All auf seine Heimatraumstation „Albia“ . Als Luke schließlich wieder im Foyer des Museums steht – völlig geplättet von seinen nächtlichen Erlebnissen –, merkt er, dass er ja auch ein kleines Souvenir mitgebracht hat. Doch das braucht er nicht mehr – zumindest nicht als Eintrittskarte für Oles Geburtstagsfest: Denn wer sehnt sich nach einen Aufschneider zum Freund,  wenn er durch den Weltraum geflogen ist? Eben.

So wie Alby und Luke mit Lichtgeschwindigkeit und Loopings durch das Universum sausen, wirbeln in „Limbradur und die Magie der Schwerkraft“ physikalische und mathematische Begriffe und Definitionen herum, dazu gibt es biografische Fakten und Anekdoten – alles unterstrichen  durch die comicartigen Bilder von Ulf Kreyenburg. Ein bisschen verfährt Volker Präkelt nach dem Prinzip mehr ist mehr (apropos Masse und Gewicht…): Eine magische Abenteuergeschichte wird mit einer Mutmach- und Familiengeschichte kombiniert, um neugierig auf physikalische Gesetzmäßigkeiten und Theorien zu machen. Die Idee, naturwissenschaftliche Wissensvermittlung in eine turbulente Geschichte einzubetten, zündet, denn selbst Physik-Nieten wie ich merken: Quantenphysik kann ganz schön faszinierend sein!

Isaacs Newtons Apfel, Albert Einstein mit der herausgestreckten Zunge und natürlich E = mc² – „Limbradur und die Magie der Schwerkraft“ schafft es, Physikfrischlingen Naturwissenschaften schmackhaft zu machen: Die Idee zu der Geschichte stammt übrigens aus dem gleichnamigen 360°-Film von Peter Popp, der in vielen Planetarien ausgestrahlt wird. Kann man dort Alby und Luke bei ihrer Reise durchs All zuschauen, bietet das Buch den unschätzbaren Vorteil, auch mal innehalten und zurückblättern zu können. Denn sollte man mit Albys und Lukes Geschwindigkeitsrausch durch die manchmal komplizierte Materie nicht mithalten können – am Ende gibt es ein Glossar, in dem die wichtigsten Dinge noch einmal kurz und verständlich erklärt sind. Ein echter Pluspunkt für Leute, die naturwissenschaftlich nicht so begabt sind… Mich zum Beispiel…
 
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Von Ines Galling, 30.10.2018

Ines Galling arbeitet als Lektorin für deutschsprachige und skandinavische Kinder- und Jugendliteratur in der Internationalen Jugendbibliothek in München, wo sie sich unter anderem um den Bestandsaufbau kümmert. Sie schreibt Artikel und Rezensionen für Fachzeitschriften und Empfehlungskataloge. Von 2012 – 2014 war sie Mitglied in der Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises.