Sparte: Kinder- und Jugendbuch

Martin Baltscheit
Major Dux oder Der Tag an dem die Musik verboten wurde! Erlebt und notiert von Bartolomäus Bob

Buchbesprechung

Eine Geschichte über die Kraft der Musik und die Macht der Liebe

Für sein Buch Major Dux hat Martin Baltscheit Anleihen bei den verschiedensten Genres der Literatur, der Musik und des Films gemacht und daraus eine spannende und zeitlose Erzählung gesponnen. Es geht um Vieles in diesem Buch: um Freiheit, um Widerstand, um die verschlungenen Wege der Liebe und eben um die Kraft der Musik. Mit seinen Illustrationen, die viel mehr als eine bloße Bebilderung des Textes sind, macht er zugleich einen großen Schritt in Richtung Comic-Literatur. Die grafische Gestaltung des Buches ist ein elementarer Bestandteil der Geschichte: Durch die Verwendung unterschiedlicher Schriftfarben und -größen wird Lautstärke auch visuell erlebbar, manche Seiten sind schwarz unterlegt, weil sich der Protagonist in einem Tunnel befindet, und wenn der legendäre Trompeter Chester Brown ganz in sich versunken die Trompete bläst, tanzen die Wörter wie Töne vom Himmel herab.

Major Dux erzählt die Geschichte eines Staatsstreiches aus Liebe (was man allerdings erst am Schluss erfährt). Eines Tages ist plötzlich jede Art von Musik verboten, selbst die Vögel dürfen nicht mehr zwitschern. Nur versteckt, in der Unterwelt, gibt es noch die Rückzugsorte der Jazz-Musiker, doch auch diese werden von der Geräuschpolizei aufgespürt und die letzten tapferen Musiker in eine Falle getrieben. Unter ihnen befindet sich nicht nur der Ich-Erzähler Bartolomäus Bob, sondern auch Betty Butterfly, die begnadete Sängerin, die sich erst kürzlich von einer fetten hässlichen Raupe in einen wunderschönen Schmetterling verwandelt hat, und Chester Brown, der legendäre Trompeter. Ihm gelingt, was alle anderen zusammen nicht geschafft haben: Mit seinem goldenen Ton bringt er die Mauern des Gefängnisses zum Einsturz. In einer Art Triumphzug marschieren die Befreiten zum Ministerium für Geräusche und Akustik, um den gefürchteten Major Dux, der hinter dem Musikverbot zu stecken scheint, zu stellen. Doch dort erleben sie eine Überraschung: Statt eines angsteinflößenden Giganten ist der Major nur eine liebeskranke Stockente, die nichts hören wollte außer dem Gesang der angebeteten Betty Butterfly.

Spannend und schnörkellos im Stil des „film noir“ erzählt, entwickelt diese Jazz-Fabel eine fesselnde Dynamik, die mit der gelungenen Pointe einen wirklich überraschenden Höhepunkt erreicht. So lässig ist der Tonfall gewählt, dass es nicht verwundern würde, wenn plötzlich Sam Spade in der Geschichte auftauchte, Arm in Arm mit den Großen des Bebop. Es ist einfach ein Vergnügen, dieses Buch zu „erleben“, denn das Lesen allein ist es nicht, was diese Geschichte ausmacht. Sie regt vielmehr an, sich in die hier zitierte Zeit zu vertiefen, ihre Musik zu hören, ihre Filme zu sehen und etwas von ihrem so typisch lakonischen Umgang mit den großen Dingen zu lernen. Ganz nebenbei.
Heike Friesel

Von Heike Friesel, 02.08.2007