Sparte: Kinder- und Jugendbuch

Ulrich Hub
Jörg Mühle (Illustrator)

An der Arche um Acht

Buchbesprechung

Alles ist wie immer: Die drei Pinguine langweilen sich, und schon gibt es Streit. Diesmal streiten sie über Gott, denn der sieht es angeblich nicht gern, dass der kleine Pinguin einen Schmetterling „abmurksen“ will. Doch wer ist eigentlich Gott? Und wie kann man sich sicher sein, dass es ihn wirklich gibt, wo er doch unsichtbar ist? Und was hat er sich bloß dabei gedacht, als er die Pinguine erschuf? Über all das sind sich die Pinguine nicht einig. Fest steht für sie nur, dass der kleine Pinguin nach dem Schmetterlingsmord nicht in den Himmel kommen wird. Als der Kleine daraufhin beleidigt davonzieht, ereignet sich etwas Unvorhergesehenes: Eine dicke Taube bringt den beiden Zurückgelassenen eine Nachricht von Gott, der genug hat von der ewigen Streiterei der Menschen und Tiere. Vor der gewaltigen Sintflut, in der die Welt untergehen soll, will er von jeder Tierart nur zwei Exemplare retten. Ausgerechnet die beiden Pinguine gehören zu den Auserwählten und erhalten von der Taube ihre Bordkarten für die Arche Noah.

Die anfängliche Freude der beiden Pinguine über ihre Rettung weicht bald der Sorge um ihren Freund. Weil sie ihn nicht zurücklassen wollen, schlagen sie ihn kurzerhand bewusstlos, packen ihn in einen großen Koffer und schmuggeln ihn mit auf die Arche. Inmitten des allgemeinen Durcheinanders an Bord gelingt es den Pinguinen zunächst, den blinden Passagier vor der misstrauischen Taube zu verstecken. Erst als diese aus dem Koffer eine Stimme vernimmt, die behauptet, Gott zu gehören, fliegt der Schwindel auf. Doch dann überstürzen sich die Ereignisse. Es hört auf zu regnen, die Arche legt an Land an, und die Tiere können das Schiff verlassen: in Zweierreihe. Als die Taube bemerkt, dass ausgerechnet sie vergessen hat, einen Partner für sich selbst mitzunehmen, kommen ihr die Pinguine mit der rettenden Idee zu Hilfe: Als Brautpaar verkleidet können die Taube und der kleine Pinguin von Bord gehen, ohne dass Noah Verdacht schöpft. Das ungleiche Paar findet schließlich sogar Gefallen aneinander, und aus der anfänglichen Zweckgemeinschaft wird ein richtiges Liebespaar.

In Ulrich Hubs humorvoller Geschichte können die eigensinnigen Tiere trotz ihrer vielen Streitigkeiten schließlich alle Probleme überwinden, weil sie zusammenhalten. Gerade bei den Meinungsverschiedenheiten zeigt sich interessanterweise aber auch die auffällige Ähnlichkeit der Pinguine mit Gott, denn auch „mit ihm kann man schlecht diskutieren“ und auch ihn kann man „unmöglich vom Gegenteil überzeugen“, „wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat.“

So ist keine der Figuren frei von Fehlern und Charakterschwächen, und selbst Gott wird durchaus ambivalent dargestellt. Fürchtet sich der kleine Pinguin anfangs noch vor einem strengen, rachsüchtigen Gott, entwirft er später, als er aus dem Koffer zur völlig erschöpften Taube spricht, eine ganz anderes Bild von ihm. Ohne lange darüber nachdenken zu müssen, tröstet er sie, indem er ihr das Verständnis Gottes verspricht, auf den man auch ruhig einmal wütend sein darf und der offen auch eigene Fehler einräumt. Seine Darstellung gelingt dabei so überzeugend, dass auch der andere Pinguin für einen kurzen Moment glaubt, Gott persönlich gegenüber zu stehen.

Nur die Grausamkeit der Sintflut bleibt für die Pinguine bis zuletzt unbegreiflich. Auch die versöhnliche Stimmung und der von Gott nach ihrer Rettung gesandte Regenbogen überzeugen die Pinguine nur mäßig von der Notwendigkeit einer derart rigorosen Strafe. So bleibt ihnen der Einblick in die letzten Geheimnisse Gottes verwehrt, und die Tiere werden erneut ihren Mutmaßungen über das Wesen Gottes überlassen.

Indem Ulrich Hub Kinder ermutigt, Fragen nach Gott zu stellen, ihnen aber keine vorschnelle Lösung anbietet, lässt er genug Raum für eigenes Nachdenken, zeigt gleichzeitig aber auch, dass sich auf manche Fragen keine eindeutigen Antworten finden lassen. Die respektlosen und naiven, lasterhaften und schuldbewussten, aber immer auch um richtiges Verhalten bemühten Tiere, sind nicht nur für Kinder geradezu ideale Identifikationsfiguren. „Vielleicht gibt es Gott gar nicht, und es hat einfach nur ungewöhnlich lange geregnet“, vermutet z.B. der bis zuletzt zweiflerische kleine Pinguin.

Der trockene Humor dieser Geschichte wird wunderbar von den meist sehr detailreichen und witzigen Illustrationen Mühles ergänzt, die besonders das manchmal etwas derbe Verhalten der Vögel veranschaulichen. Mit derselben Offenheit, mit der Hub seine Geschichte erzählt, werden hier Fehler und Schwächen gezeigt und Emotionen dargestellt.

So zeigt An der Arche um Acht einerseits, wie wichtig es ist, sich mit Gott auseinanderzusetzen, ermahnt aber andererseits dazu, das menschliche Miteinander nicht aus den Augen zu verlieren. Dass dieses auch in seinen ungewöhnlichsten Formen offen angenommen werden kann, zeigt die wunderschöne Liebesbeziehung zwischen Taube und Pinguin, mit der die Geschichte ihr romantisches Ende findet.
Vorname Name

Von Martina Schlögl, 01.02.2008