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 Image Jutta Langreuter
Andrea Hebrock (IllustratorIn)

Sissi
Ich geb Dir was, was du nicht hast

Patmos Verlag / Sauerländer
Düsseldorf 2003
ISBN 3-7941-5001-5
14 Seiten


 

Ein Bilderbuch über Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Sissi, ein kleines Ziegenmädchen, übernachtet zum ersten Mal nicht zu Hause. Ihre Mutter gibt sie bei der freundlichen Büffelfamilie Yak-Yak ab, wo sie bald mit ihren extravaganten Wünschen Verwunderung hervorruft. Die gutmütigen Gastgeber versuchen zunächst, ihr alle Wünsche zu erfüllen, zeigen ihr aber gleichzeitig, dass auch einfache Vergnügungen großen Spaß machen können. Schließlich findet Mutter Yak-Yak, dass auch sie einmal von den anderen bedient werden könnte, und Sissi hilft tatkräftig beim Kochen mit. Als sie – viel zu früh – abgeholt wird, hat sie in Moritz Yak-Yak einen neuen Freund gefunden: einen, der ganz anders ist!

Sissis Ausflug in die Welt der Yaks wird von Andrea Hebrock mit ihren farbenfrohen und großzügigen Illustrationen treffsicher dargestellt: Sissi, ein bezauberndes, aber eben zickiges Zicklein mit allen Merkmalen eines verwöhnten kleinen Mädchens, trägt ein Rüschenkleidchen und Blumenpantöffelchen. Sie könnte kaum deplazierter wirken, als sie von ihrer Mutter, auch diese höchst modebewusst mit lässig vor die Hörner gesteckter Sonnenbrille und goldenen Reifen um den Huf, im einfachen Hause der Yak-Familie abgegeben wird.

Dagegen die Familie Yak-Yak: Groß, massig und braun behaart sitzt die Familie um den schlichten Esstisch und isst Kartoffeln mit Salz. Mutter Yak-Yak unterscheidet sich sehr von Sissis Mutter: Dass sie die Frau im Haus ist, erkennt man nur an der umgebundenen Küchenschürze. Vater und Sohn tragen weiter nichts als eine einfache Hose. Das Mobiliar der Familie ist zweckmäßig und ohne Schnörkel, einzig Moritz' Kinderzimmer erinnert stark an den IKEA-Katalog.

Natürlich ist die Darstellung der unterschiedlichen Gewohnheiten der Familien von Sissi und Moritz von plakativer Deutlichkeit, ebenso die Typisierung der Figuren. Das tut aber der Sympathie, die man beim Lesen für sie empfindet, keinen Abbruch. Sissi, in all ihrer anfänglichen Extravaganz, beeindruckt durch ihre Unbeirrbarkeit, als sie der bulligen – und man möchte fast sagen: bedrohlich – erscheinenden Rinderfamilie gegenüber sitzt. Leise, aber doch höflich und bestimmt äußert sie ihre kulinarischen Wünsche, bis jeder, auch der kleine Leser, nach kurzer Zeit die Augen verwundert und genervt zum Himmel wendet. Sie ist liebenswert, wie sie ist, weil sie später lernt, dass sie auch mal anders sein kann.

Moritz hat den Vorteil des Heimspiels und kann es sich deshalb leisten, erst einmal nachzugeben und großzügig vom Gewohnten abzuweichen. Wie seine Mutter versucht er, Sissi zufriedenzustellen, schlägt so lange Spiele vor, bis endlich auch sein verwöhnter Gast gnädig zustimmt. So arrangieren sie sich, verwundert und auch ein bisschen fasziniert vom seltsam erscheinenden anderen. Erst als Sissi anfängt, auch noch Moritz' Charakter verändern zu wollen, beißt sie auf Granit - und erkennt lächelnd den Reiz des Anders-Seins an.

Heike Friesel

Januar 2004



 

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