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|  | | Ein Bilderbuch über Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Sissi, ein kleines Ziegenmädchen, übernachtet zum ersten Mal nicht zu Hause.
Ihre Mutter gibt sie bei der freundlichen Büffelfamilie Yak-Yak ab, wo sie bald
mit ihren extravaganten Wünschen Verwunderung hervorruft. Die gutmütigen
Gastgeber versuchen zunächst, ihr alle Wünsche zu erfüllen, zeigen ihr aber
gleichzeitig, dass auch einfache Vergnügungen großen Spaß machen können.
Schließlich findet Mutter Yak-Yak, dass auch sie einmal von den anderen bedient
werden könnte, und Sissi hilft tatkräftig beim Kochen mit. Als sie – viel zu
früh – abgeholt wird, hat sie in Moritz Yak-Yak einen neuen Freund gefunden:
einen, der ganz anders ist!
Sissis Ausflug in die Welt der Yaks wird von Andrea Hebrock mit ihren
farbenfrohen und großzügigen Illustrationen treffsicher dargestellt: Sissi, ein
bezauberndes, aber eben zickiges Zicklein mit allen Merkmalen eines verwöhnten
kleinen Mädchens, trägt ein Rüschenkleidchen und Blumenpantöffelchen. Sie könnte
kaum deplazierter wirken, als sie von ihrer Mutter, auch diese höchst
modebewusst mit lässig vor die Hörner gesteckter Sonnenbrille und goldenen
Reifen um den Huf, im einfachen Hause der Yak-Familie abgegeben wird.
Dagegen die Familie Yak-Yak: Groß, massig und braun behaart sitzt die Familie
um den schlichten Esstisch und isst Kartoffeln mit Salz. Mutter Yak-Yak
unterscheidet sich sehr von Sissis Mutter: Dass sie die Frau im Haus ist,
erkennt man nur an der umgebundenen Küchenschürze. Vater und Sohn tragen weiter
nichts als eine einfache Hose. Das Mobiliar der Familie ist zweckmäßig und ohne
Schnörkel, einzig Moritz' Kinderzimmer erinnert stark an den IKEA-Katalog.
Natürlich ist die Darstellung der unterschiedlichen Gewohnheiten der Familien
von Sissi und Moritz von plakativer Deutlichkeit, ebenso die Typisierung der
Figuren. Das tut aber der Sympathie, die man beim Lesen für sie empfindet,
keinen Abbruch. Sissi, in all ihrer anfänglichen Extravaganz, beeindruckt durch
ihre Unbeirrbarkeit, als sie der bulligen – und man möchte fast sagen:
bedrohlich – erscheinenden Rinderfamilie gegenüber sitzt. Leise, aber doch
höflich und bestimmt äußert sie ihre kulinarischen Wünsche, bis jeder, auch der
kleine Leser, nach kurzer Zeit die Augen verwundert und genervt zum Himmel
wendet. Sie ist liebenswert, wie sie ist, weil sie später lernt, dass sie auch
mal anders sein kann.
Moritz hat den Vorteil des Heimspiels und kann es sich deshalb leisten, erst
einmal nachzugeben und großzügig vom Gewohnten abzuweichen. Wie seine Mutter
versucht er, Sissi zufriedenzustellen, schlägt so lange Spiele vor, bis endlich
auch sein verwöhnter Gast gnädig zustimmt. So arrangieren sie sich, verwundert
und auch ein bisschen fasziniert vom seltsam erscheinenden anderen. Erst als
Sissi anfängt, auch noch Moritz' Charakter verändern zu wollen, beißt sie auf
Granit - und erkennt lächelnd den Reiz des Anders-Seins an.
Heike Friesel
Januar 2004
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