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 Image Claudia Schreiber

Sultan und Kotzbrocken

Carl Hanser Verlag
München 2004
ISBN 3-446-20435-0
86 Seiten


 

Sultan und Kotzbrocken erzählt in zehn auch einzeln lesbaren Abschnitten die Geschichte der ungewöhnlichen Freundschaft zweier wahrhaft Ungleicher. Der Sultan verbringt sein Leben untätig auf einem Berg bestickter Kissen, von denen jedes einzelne ein Liebesbeweis einer seiner „ungefähr hundert Frauen“ ist. Sein Diener Kotzbrocken sitzt am Fuße dieses Berges und hievt den Sultan mit einer Seilwinde bei Bedarf hinauf oder herunter. Leider stellt er sich dabei wenig geschickt an und lässt den Sultan fast immer auf dessen dicken Sultanspopo fallen, was bei diesem zu einigem Unmut führt und dem Diener seinen Namen beschert.

Claudia Schreiber bedient sich in ihren Geschichten hemmungslos der Klischees aus dem Reich von „Tausend und einer Nacht“, die auch noch dem kleinsten Leser klarmachen: Hier handelt es sich um eine märchenhafte Phantasiewelt! Wo sonst könnte ein Sultan so viele Frauen und Diener haben? Wo sonst richten sich die Sonne und der Wind nach dem Willen des Herrschers?

Da ist Kotzbrocken schon eher von „dieser Welt“ und die Ahnungslosigkeit des Sultans bringt ihn schier zur Verzweiflung. Um diesen Zustand zu ändern, beginnt der Diener dem Herrn die Welt zu zeigen. In der Palastküche lernt der Sultan schmecken, er versucht, ganz ohne die Hilfe der Frauen eins bis neun ein Bad zu nehmen und fährt – mit allen Gemahlinnen und ihrem Gepäck – zum ersten Mal in den Urlaub. Sultan und Kotzbrocken kommen sich näher, allerdings sind ihre Umwege dabei oft recht abenteuerlich. So führt eine philosophische Unterhaltung über die Grenzen zwischen Himmel und Meer und über Anfang und Ende zu einer Lektion über Respekt und die Notwendigkeit, auch Fehler zugeben zu können.

Die oft skurrilen Dialoge mit einer Vielzahl von lautmalerischen Figuren, die sich so oft wiederholen, dass die Zuhörer beim Vorlesen schließlich bestimmte Stellen lauthals mitsprechen, sind einfach und doch sehr witzig. Und auch die Illustrationen von Sybille Hein treffen in ihrer Stimmung genau diesen oft absurden Witz des Textes. In zum Teil mit kleinen Collage-Elementen gestalteten Bildern finden sich auf fast jeder Seite urkomische Kleinigkeiten und ergänzen den Text in idealer Weise.

So gewinnen die beiden Titelfiguren deutlich Gestalt und man kann manchmal zwischen Naivität und Gewitztheit des Sultans nicht recht unterscheiden: Tut er vielleicht nur noch so oder versteht er wirklich nichts? Ebenso der Diener: Ist er wirklich der Brummbär, den er so gerne herauskehrt, oder hat er den Sultan eigentlich sogar richtig gern?

Als der Sultan von einer Sinnkrise gebeutelt nach seiner Aufgabe im Leben sucht, schlägt Kotzbrocken ihm einen Rollentausch vor und lässt sich vom Sultan stundenlang auf den Kissenberg und wieder herunter kurbeln. Nach dieser Erfahrung weiß der Sultan eines jedenfalls ganz sicher: „Was hab ich für ein schönes Leben“, dachte er sich. „Nix zu tun und werde bedient von vorne bis hinter. Wunderbar.“

Heike Friesel
Juni 2004



 

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