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 Image Zoran Drvenkar

Die Rückkehr der Kurzhosengang

Berlin 2006
ISBN 3-8270-5175-4
430 Seiten


 

Die Rückkehr der Kurzhosengang ist, wie schon der Titel zeigt, die Fortsetzung eines zuvor erschienen Buches. Es trug den schlichten Titel Die Kurzhosengang und wurde 2005 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Kinderbuch ausgezeichnet.

Zoran Drvenkar, der seine Autorschaft hinter den beiden Pseudonymen Victor Caspak und Yves Lanois versteckt und das Buch als Übersetzung aus dem kanadischen Englisch ausgibt, hat einige Ideen aus dem ersten Band übernommen, andere verworfen. So finden sich in der Rückkehr der Kurzhosengang keine Anmerkungen des vermeintlichen Übersetzers mehr, was das Buch wesentlich flüssiger lesbar macht. Wie im ersten Band wird die Geschichte von den vier Mitgliedern der Kurzhosengang erzählt, ergänzt durch die Polizeiprotokolle von den Vernehmungen ihrer Gegenspieler.

Es ist nicht unbedingt notwendig, den Inhalt des Vorgängerbuches zu kennen, um die Rückkehr der Kurzhosengang zu verstehen, doch es hilft. Der Ort der Handlung ist Okkerville, eine sehr kleine Kleinstadt im kanadischen Staat Ontario, in der jeder schon mal mit jedem gesprochen hat. In diesem Mikrokosmos hat die Kurzhosengang nach den Abenteuern des ersten Bandes Heldenstatus erlangt, was natürlich auch Neider auf den Plan ruft. Vor allem sind dies fünf Jungen, die alle mit Vornamen Pauli heißen und entweder gemein oder brutal oder beides zugleich sind und zusammen die berüchtigte PauliGang bilden.

Nachdem einer der Kurzhosengang, sein Deckname lautet Zement, plötzlich verschwunden ist, beginnt eine aufregende Suche. Seine Freunde Island, Rudolpho und Snickers verfolgen zahlreiche Spuren und stoßen dabei auf viele merkwürdige Dinge in ihrer Stadt, von denen sie bislang nichts geahnt haben. Ständig kommt ihnen einer der Paulis in die Quere und so vermuten sie, dass es wahrscheinlich die PauliGang war, die Zement entführt hat. Zahlreiche Hinweise führen die Verfolger auf die unterschiedlichsten Fährten, von denen die Jungen jeweils in einem eigenen Kapitel berichten, jeder aus seiner Perspektive und mit seinen persönlichen Schwerpunkten. Nach und nach entfaltet sich so eine höchst komplexe Geschichte, die erst mit Zements Erzählung der Ereignisse im letzten Kapitel aufgelöst wird: Er ist nämlich gar nicht entführt worden.

Der Clou der Geschichte ist aber, dass dennoch mindestens drei Menschen in der Stadt der PauliGang den Auftrag zu seiner Entführung gegeben hatten, weil sie sich von einer ganz besonderen Fähigkeit Zements Vorteile erhofften. Zement ist in der Lage, mit den Geistern der Verstorbenen zu sprechen, und da diese immer schon ein paar Tage vor dem Tod anwesend sind, kann er sehen, wer demnächst stirbt. Doch manchmal klappt der Übergang vom Leben in den Tod nicht so reibungslos wie vorgesehen und Zement muss zwischen den Lebenden und ihren Geistern vermitteln. Die Gleichzeitigkeit der vermuteten Entführung und einer Geister-Hilfsaktion von Zement führt zu dieser höchst turbulenten und verwickelten Geschichte, deren zahlreiche Handlungsstränge in ein glückliches Ende münden.

Zoran Drvenkar ist es mit diesem Buch voller witziger Einfälle und gut erzählter Pointen erneut gelungen, Kinder und erwachsene Leser gleichermaßen zu begeistern, ohne in die Märchenwelten der Fantasy-Romane oder die Pseudo-Jugendsprache wilder Kerle zu verfallen. Sein unerschöpflicher Vorrat an Fantasie und die Fähigkeit, eine vielschichtige und doch runde Geschichte zu erzählen, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat und doch jeden an seine eigene Kindheit denken lässt, macht ihn zu einem der wichtigsten Kinder- und Jugendbuchautoren Deutschlands.

Heike Friesel
März 2007



 

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