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 Image Jürg Schubiger
Eva Muggenthaler (IllustratorIn)

Der weiße und der schwarze Bär

Peter Hammer Verlag
Wuppertal 2007
ISBN 978-3-779-50078-0
32 Seiten
ab 4 Jahre


 

Wenn’s richtig ist, fühlt sich’s auch richtig an

In diesem außergewöhnlichen Bilderbuch dreht sich alles um die Nacht und wie man sich nachts fühlt, wenn man ein kleines Mädchen (oder auch ein kleiner Junge) ist. Wie man versuchen kann, das Unheimliche an der Dunkelheit zu überwinden, indem man etwas Helles, Schimmerndes dabei hat. Wenn sich aber zeigen sollte, dass das nicht so recht in die Nacht passt, kann man dann das Helle, Schimmernde durch etwas Dunkles, Kuschliges ersetzen und merkt plötzlich, dass es sich einfach richtig anfühlt…

Eva Muggenthaler und Jürg Schubiger thematisieren in ihrem Bilderbuch Der weiße und der schwarze Bär die kindliche Angst vor dem Dunkeln. Sparsam mit den Textpassagen und statt dessen mit raumfüllenden, intensiven Bildern führen sie die Leser in die Erlebniswelt eines kleinen Mädchens. Diesem Mädchen begegnen nachts Bären, die ihm gegen die beängstigende Dunkelheit der Nacht helfen sollen. Zuerst ist es ein weißer Bär. Er bringt einen hellen Schein mit sich, der das Dunkel noch dunkler erscheinen lässt. Wenn er geht, nimmt er alle Lampen mit sich und selbst den Mond steckt er noch ein.

Doch das Mädchen fühlt sich mit diesem Nachtbegleiter nicht wohl, er macht sich zu breit, ist zu einnehmend. Sie lässt ihn gehen und weiß, seine Art der Hilfe war nicht das Richtige für sie. Als dann der schwarze Bär kommt, den sie schon erwartet hat, wird alles ganz anders. Er lässt die Nacht so dunkel, wie sie nun einmal ist, er ist es ja auch. Und statt sich in den Mittelpunkt zu drängen, bietet er sich als Beschützer im Hintergrund an, auf dem man durch die Nacht reiten oder in dessen Armen man geborgen einschlafen kann.

Eva Muggenthaler kombiniert in ihren Illustrationen einen großflächigen Strich aus kräftigen Farben und kleine, versteckte Details. Fast wie in einem Suchbild integriert sie die riesigen Bärenfiguren in die als Doppelseiten konzipierten Bilder. Manchmal hilft es, das Buch etwas weiter weg zu halten, um beide Seiten als Gesamtkomposition verstehen zu können. Gleichzeitig muss man aber auch ganz genau hinschauen, um die kleinen, versteckten Gags zu entdecken, die auf jeder Seite zu finden sind.

Jürg Schubigers Text – insbesondere die fast philosophischen Unterhaltungen zwischen Mutter und Tochter – gibt seinerseits Anlass zum Nachdenken. Erst zusammen ergeben Text und Bild hier die Geschichte, das Eine funktioniert nicht ohne das Andere.
Möglicherweise erschließt sich der gesamte Gehalt dieses wirklich besonderen Buches nicht auf den ersten Blick, dafür aber kann man sicher sein, dass es einen zweiten, fünften und zwanzigsten Blick darauf geben wird!

Heike Friesel
Juli 2007



 

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