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„Jeden Tag wird auf der ganzen Welt etwas getan. / Auf den Straßen und in allen Häusern, / auf Baustellen und Bühnen, / auf Flughäfen und Plantagen, / in Schulklassen, Schwimmbädern und Fabriken.”
Die Welt ist voller Menschen, die die ganze Zeit „was tun”. Sie organisieren, bauen, forschen, singen, laufen oder verbringen ihre Zeit mit „Nichtstun”. So erschaffen sie die Welt, wie wir sie kennen. Manchmal kann man aus dem, was man gerne tut, einen Beruf machen. Jemand, der baut, kann zum Beispiel Dachdecker oder Zimmermann werden. Jemand, der singt, wird vielleicht Sänger. Und wenn jemand besonders schnell läuft, kann als Sportler auch damit Geld verdienen. Was tun!?. ist also eine Art „Lexikon der Berufe”. Aber es ist noch mehr. Denn das liebevoll gestaltete Bilderbuch zeigt mit seinem gelungenen Zusammenspiel von Text und Bild, wie Menschen ihre Welt gestalten.
Jede Tätigkeit wird auf einer Doppelseite beschrieben. „Organisieren” lautet beispielsweise die erste Überschrift. Darunter erklärt ein kurzer Text, was das ist: „Die meisten Leute arbeiten im Büro. / Man sieht jedoch nicht, was sie tun. / Sie telefonieren und klicken mit ihren Computermäusen, / sonst geschieht fast nichts im Büro. / Dort jedoch, wo sie anrufen, da geht’s rund.” Die Charakterisierungen der Berufe sind knapp gehalten und umfassen selten mehr als 15 Zeilen. Begleitet werden sie von großflächigen Illustrationen von mindestens einer Seite. Sie zeigen Menschen, die die beschriebene Arbeit ausüben. So wird jeder „Beruf” durch ein spezielles Verhältnis von Wort und Bild in Szene gesetzt. Auch die Schriftart der Texte stammt vom Illustrator Bernd Mölck-Tassel. Die einzelnen Textpassagen sind von kleinen Zeichnungen durchsetzt, die den Inhalt humorvoll verdeutlichen und ergänzen. Text und Illustration passen perfekt zusammen. Man merkt, dass Autor und Illustrator schon lange miteinander arbeiten.
Jede Doppelseite bildet ein detailreiches und liebevoll gestaltetes Kunstwerk. Im Gegensatz zu den kurzen Texten sind die Illustrationen voller Details. In ihnen entwirft Mölck-Tassel Räume von enormer Tiefe, die eine solche Vielzahl von Figuren und Gegenständen enthalten, dass eine starke Flächenwirkung entsteht. Die Bilder werden dadurch ungewöhnlich dicht und laden den Leser förmlich zu Entdeckungsreisen ein. Und obwohl sie sich stark auf den Inhalt des Textes beziehen, erzählen sie ganz eigene Geschichten. Ihr Schwung und ihre Lebendigkeit reflektieren das Thema des Buches: Mensch und Umwelt in Bewegung.
Auch die Sprache ist außerordentlich klar. Weder wird eine Geschichte mit Spannungsbogen erzählt noch gibt es Figurenrede. Die Texte fassen in ruhigem und unaufgeregtem Ton die Berufe in Worte. In dieser Schlichtheit liegt ihre poetische Kraft. Dieter Böge arbeitet mit Wiederholungen und Parallelismen und verleiht den Texten einen speziellen Rhythmus, sie können wie kleine Gedichte vorgetragen werden.
Gerade Erwachsene dürften die originellen Texte zum Schmunzeln bringen. Die Berufsbeschreibungen beschränken sich auf wenige Aspekte, sind dafür aber äußerst treffend und regen zum Nachdenken an. „Forscher wollen unbedingt etwas wissen, / aber sie können keinen fragen, / weil niemand die Antwort weiß. / Sie müssen die Antwort selber finden. / [...] / Sie messen alles genau aus, / schreiben alles auf, / und manchmal entdecken Forscher etwas, / das sie gar nicht gesucht haben. / Zum Beispiel Amerika.” Dieser feinsinnige Humor durchzieht das ganze Buch.
Doch Was tun?!. gehört nicht zu der Sorte Kinderbuch, die vor allem Eltern Freude machen. Es geht auf die Bedürfnisse der jungen Leser ein – für sie ist es geschrieben. In der Einleitung heißt es: „Natürlich kannst du alleine ein Bild malen. / Aber wer hat den Pinsel gemacht? / Und wer das Papier? / Wie kommt der Zeichenblock in den Laden? / Und wer hat den Laden gebaut? / Du könntest dich den ganzen Tag bedanken, / bei Leuten, die du gar nicht kennst.” Dieter Böge spricht die Kinder direkt an. Er bezieht sich auf ihre Lebenswelt und animiert sie, sich Gedanken zu machen. Daher ist es sicher von Vorteil, das Buch zusammen mit einem älteren Ansprechpartner zu lesen. Dieser kann auf die Beobachtungen des Kindes eingehen und es zu weiteren Gesprächen anregen.
Bemerkenswert ist auch die Auswahl der vorgestellten Tätigkeiten. Bewusst stellt Was tun!?. keine konkreten Berufe vor. Es geht, viel allgemeiner, um das menschliche Handeln, denn: „Da kann man nichts machen, / du musst was tun.” Menschliche Aktivität umfasst viele Bereiche: Backen, Bauen und Fischen gehören ebenso dazu wie Malen, Schauspielen oder Laufen. Einen Beruf auszuüben, so die Botschaft des Buches, bedeutet nicht in erster Linie Geld zu verdienen. Zunächst ist ein Beruf eine Beschäftigung, mit der man seine Zeit (idealerweise gerne) verbringt. Deshalb gibt es in Was tun?!. auch eine Doppelseite, die dem „Nichts tun” gewidmet ist: „Sich Zeit zu lassen ist jedenfalls keine Faulheit.” Das ist eine klare Aussage. Das Buch regt auf einfühlsame Weise dazu an, sich Gedanken über die Zeit, das eigene Handeln und das der anderen zu machen.
Eva Kaufmann
Februar 2009
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