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 Image Hans Traxler

FRANZ der Junge, der ein Murmeltier sein wollte

Carl Hanser Verlag
München 2009
ISBN 978-3-446-23328-7
40 Seiten
Ab 5 Jahren


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Buchbesprechung
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Im Jahr seines 80. Geburtstages hat der Frankfurter Autor und Karikaturist Hans Traxler ein freundliches Buch über ein wütendes Kind geschrieben und seinen Lesern damit ein ganz besonderes Geschenk gemacht.

Das Bilderbuch Franz, der Junge, der ein Murmeltier sein wollte, erzählt die Geschichte der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Franz, dem Sohn des Dorfschullehrers, und Albert, dem Murmeltier. Im Laufe eines Sommers sind sich die beiden nach und nach näher gekommen und schließlich Freunde geworden. Aber die Zeit der gemeinsamen Spiele auf der Murmeltierwiese findet mit dem ersten Schnee ein plötzliches Ende – für Franz eine echte Katastrophe. Die Wiese ist unter einer dicken Schneeschicht begraben und der Freund verschwunden.

Vom Vater über den Winterschlaf der Murmeltiere aufgeklärt, beschließt Franz, sich nun ebenfalls zum Schlafen zu verkriechen und erst im Frühling wieder aufzustehen. Als sein Versuch aber an Hunger und Atemnot scheitert, kommen Zweifel an den Worten des Vaters auf. Was, wenn es Albert genauso ergeht? Die Sorge um den Freund treibt Franz mitten in der Nacht auf die verschneite Murmeltierwiese. Dort wird er halb erfroren gefunden und muss für den Rest des Winters mit einer schweren Lungenentzündung das Bett hüten. Aber als der Frühling endlich ins Tal kommt, treffen sich Franz und Albert auf der alten Wiese wieder.

In klarer, schnörkelloser Sprache und doch voll leiser Poesie erzählt Traxler von dieser Freundschaft: „Franz hat immer ein paar Karotten in der Tasche. Die teilen sie brüderlich und kauen so lange, bis sie süß werden im Mund. Franz möchte, dass das immer, immer so bleibt.“ Kein Wort ist hier zuviel, ohne Pathos oder Sentimentalität wird diese Sehnsucht nach immerwährendem Glück beschrieben.

Aber das Buch ist nicht auf die leisen Töne beschränkt. Als Franz seinen Freund auf der verschneiten Wiese nicht mehr finden kann, lebt der Junge seine Wut und Enttäuschung lautstark aus: „,Ich will das nicht!’, schreit er und haut die Eiszapfen vom Dach. ,Der Winter soll aufhören!’, brüllt er und schlägt auch noch dem schönen Schneemann den Kopf herunter.“

Gut, wer da Eltern hat, die sich von so etwas nicht aus der Ruhe bringen lassen. Solche bemerkenswerten Menschen hat Traxler seinem Franz an die Seite gestellt. Welche trotzigen Ausbrüche oder eigensinnigen Ideen ihr Sohn auch haben mag, sie bleiben ihm stets liebevoll zugetan, ihre Gesichter auf den Bildern sind gleichbleibend freundlich.

Auch bei den Illustrationen gilt das Prinzip des Weniger-ist-mehr. Monochrome Farbflächen in den für Traxler so typischen sanften Farbtönen für Wiesen, schneebedeckte Bergketten und den Himmel, das Ganze versehen mit ein paar farbig unterlegten Schraffuren – fertig ist die Kulisse einer Alpenszenerie nahe der Baumgrenze.

Ähnliches gilt für die Gestaltung der Figuren, bei denen ein genauer Kenner der menschlichen ebenso wie der tierischen Physiognomie am Werk ist. Mit ihren deutlichen schwarzen Umrisslinien wirken sie eher gezeichnet als gemalt und sind dabei außerordentlich lebendig. Traxler reichen ein paar Striche, um die Gefühlslage einer Figur zu verdeutlichen: ein glücklicheres Murmeltier als Albert auf der ersten Seite hat man kaum je gesehen. Und selten einen einsameren Jungen als Franz nach dem erfolglosen Versuch, seine Atmung nach Murmeltierart zu reduzieren: Mit grünem Gesicht, hängenden Mundwinkeln und bis an die Ohren hochgezogenen Schultern droht er nicht nur in seinem schlackernden Schlafanzug, sondern auch in dem übergroßen Kissen, in dessen Mitte er kauert, zu versinken.

Auf eine freundliche, zuweilen augenzwinkernde Art ist der Autor immer ganz nah beim jungen Leser. Dies gelingt insbesondere an den Gelenkstellen der Handlung, wenn der Erzähler die Geschichte kommentiert: „Wird jetzt alles wieder gut?“, fragt diese Stimme beispielsweise, nachdem Franz gerade noch rechtzeitig im Schnee gefunden worden ist. Und wenn die Antwort „Leider nein“ heißt, so bedauert der Erzähler geradezu gemeinsam mit seinen Zuhörern, dass es nun erstmal noch Schlimmeres zu berichten gibt – denn für Kinder ist die Nachricht von Franz’ langer Krankheit zunächst nur traurig. Die Parallele zum Winterschlaf erschließt sich ihnen erst nach und nach: So zeigen zwei Bilder den kranken Franz in seinem Bett, neben ihm lugt ein kleines Murmeltier unter der riesigen Decke hervor. An anderer Stelle hat er Besuch: „,Mein kleines Murmeltier’, sagt die Mutter zärtlich und zieht die Decke zurecht.“

Die Geschichte dieser ungewöhnlichen Freundschaft erhält auf der Bildebene einen zusätzlichen Rahmen. Bereits das Cover zeigt Franz und Albert, wie sie mit dem Rücken zum Betrachter, ihren Blick auf die ferne Bergkette gerichtet, nebeneinander auf einer Wiese sitzen. Im Buch selbst illustriert dieses Motiv dann auf vier kleinen, untereinander angeordneten Panoramabildern besonders anschaulich den Annäherungsprozess der Freunde.

Auf dem ersten Bild, mit „Juni“ überschrieben, befindet sich noch jeder auf seiner Seite der Wiese. Im Juli und August rücken Franz und Albert immer näher zusammen, bis sie dann im September einträchtig nebeneinander in die Ferne schauen. Dieses Bild wird auf der letzten Buchseite nochmals aufgegriffen, nun aber variiert: Links neben den beiden Freunden sieht man jetzt auch Schwester Fanny sitzen. Franz hat Karotten für drei mitgebracht. „Und dann schauen sie auf die Berge und kauen, bis es süß wird im Mund. Der ganze lange schöne Sommer liegt vor ihnen.“

Eva Jaeschke
August 2010



  
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