Inhalt
Was ist Litrix?
Bücher
Belletristik
Sachbücher
Kinder- und Jugendbücher
Autorenportraits
Übersetzungsförderung Litrix.de
Weitere Förderprogramme
Vorschau

HomeÜber UnsNewsletterImpressumLinks


  
zur Titelübersicht
 
 Image Tamara Bach

Jetzt ist hier

Oetinger Verlag
Hamburg 2007
ISBN 978-3-7891-3169-1
351 Seiten
ab 13 Jahre


Verlagskontakt
Buchbesprechung
Leseproben
 

In ihrem dritten Roman nach Marsmädchen und Busfahrt mit Kuhn erzählt die erfolgreiche Jugendromanautorin Tamara Bach die Ereignisse einer Woche im Leben von vier miteinander befreundeten Jugendlichen. Alle vier, ein Mädchen und drei Jungen, besuchen verschiedene Oberstufenklassen eines Gymnasiums in einer namenlosen deutschen Stadt. Sie verbringen viel Zeit miteinander, telefonieren ständig, doch ein großer Teil ihrer Kommunikation besteht darin, sich möglichst cool zu geben und die eigenen Probleme vor den anderen herunter zu spielen oder ganz zu verheimlichen.

Denn jeder der vier hat Probleme, nicht spektakulär, sondern alltäglich und alterstypisch. Fienchen lebt mit ihrer Mutter allein, ihr Vater hat die Familie schon vor längerer Zeit verlassen und ist nur manchmal auf Dienstreise in der Stadt. Dann lädt er seine Tochter zum Essen ein und versucht, sein schlechtes Gewissen mit Geschenken zu beruhigen, was Fienchen durchaus zu nutzen versteht. Das größere Problem für das Mädchen aber ist ihre unglückliche Liebe zu dem charmanten Zanker. Der sieht in ihr nur den guten Kumpel und setzt seinen Charme ganz gezielt ein, um andere Mädchen (oder auch seine Mutter) um den Finger zu wickeln. Der Dritte im Bunde ist Bowie. Seit seine Mutter ein halbes Jahr zuvor an Krebs gestorben ist, lebt er mit seinem Vater allein, den die Situation mit dem trauernden Sohn jedoch vollkommen überfordert. Bowie ist eine Art Schatten von Zanker und heimlich in Fienchen verliebt. Schließlich gibt es noch Momo. Seine Familie ist im Prinzip intakt. Doch seit das kleine Unternehmen der Eltern in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt, muss er sich mehr und mehr um die kleine Schwester Ziska kümmern. Wie soll er da noch Zeit, Geld und vor allem Mut finden, um sein Traummädchen zu erobern?

Durch wiederholte Perspektivwechsel gelingt es der Autorin, die Gedanken und Befindlichkeiten aus der Sicht des jeweiligen Protagonisten zu schildern. Schnelle Schnitte, die zunächst etwas verwirrend wirken, leiten in unregelmäßiger Folge von einem zum anderen, vermitteln Momentaufnahmen des Alltagslebens. Gedanken, Dialoge und Beobachtungen sind eingebettet in kleine Situationsbeschreibungen und zeichnen ein vielschichtiges Bild der individuellen Lage jeder der vier Figuren. Obwohl die Szenen für sich genommen unspektakulär und fast ein wenig lakonisch daherkommen, steigert sich die Spannung im Verlauf des Buches zunehmend, und es kommt in allen vier Handlungssträngen schließlich zu einem Höhepunkt mit kathartischem Charakter.
Zanker erträgt irgendwann die Gängeleien seines extrem autoritären Vaters nicht mehr, er sagt ihm die Meinung und geht. Bowie und Fienchen landen mehr oder weniger aus Versehen miteinander im Bett, doch das Mädchen ist über diesen „Ausrutscher“ schockiert und will den Freund nicht mehr sehen, denn sie kommt mit ihren widerstreitenden Gefühlen nicht zurecht. Und Momo wird sich darüber klar, dass im Augenblick er der „Fels in der Brandung“ für die Familie sein muss und dies auch kann. Dass er nebenbei schmerzhaft erfährt, dass die beliebtesten Mädchen nicht immer die tollsten sind, bringt ihn zusätzlich einen Schritt weiter.

Vom Lernen durch die Bewältigung schwieriger Situationen handelt dieses intelligent geschriebene Jugendbuch, und es ist sicher nicht nur für Jugendliche lesenswert. Tamara Bachs Protagonisten sind am Schluss des Buches jedenfalls alle klüger als zu Beginn. Und wir Leser ebenfalls.



Heike Friesel
Februar 2008



  
Druckversion
zum Seitenanfangzur Titelübersicht