Sparte: Kinder- und Jugendbuch

Georg Bydlinski
Jens Rassmus (Illustrator)

Der Zapperdockel und der Wock

Bilderbuch

Buchbesprechung

„Der Zapperdockel ist klein, unsicher und eine Heulsuse. Aber dafür kann er nichts. So ist er eben. Der Wock ist groß, stark und ein Grobian. Aber dafür kann er nichts. So ist er eben. Können zwei wie der Zapperdockel und der Wock sich vertragen? Nach einigen Missverständnissen… wer weiß?“

Irgendwie fühlt man sich am Ende dieses hinreißenden Bilderbuches an die Schlussszene des Films Casablanca erinnert: „Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft…“, einer Freundschaft zweier Wesen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Georg Bydlinski erzählt die Geschichte von der Entstehung dieser Freundschaft in einer prägnanten und gleichzeitig äußerst einfallsreichen Weise. Seine Wortschöpfungen, die schon in den Namen der Fabelwesen anklingen, sind so überraschend wie überzeugend und auch der Vergleich des schönen Lebens mit einer doppelstöckigen Torte oder einer grün gepunkteten Krawatte wirkt ungewohnt aber gerade dadurch treffend und bringt letztendlich selbst den traurigen Zapperdockel wieder zum Lächeln. Bydlinskis Wortwahl ist erfrischend, gerade weil er Wörter benutzt, die nicht alltäglich sind, die Phantasie der Kinder anregen und ganz nebenbei den Wortschatz erweitern. Dass sowohl die Wortschöpfungen als auch die Reime sich durchaus in andere Sprachen übersetzen lassen, ohne ihre Spritzigkeit einzubüßen, zeigt unsere englische Probeübersetzung. Einige österreichische Wendungen tragen für deutsche Ohren zusätzlich zum Charme des Buches bei.

Zu diesem Charme tragen aber ebenso sehr die anspruchsvollen Illustrationen von Jens Rassmus bei. Rassmus verwendet unterschiedliche Mal- und Zeichentechniken: vor einem Hintergrund aus Aquarellfarbe und schwarzer Federzeichnung prangen vorne die beiden Protagonisten: der Zapperdockel in kräftigem Gelb und der Wock in sattem Blau. Indem er verschiedene Techniken anwendet, gelingt es Rassmus, zwei Bildebenen zu etablieren, und so die eigentliche Handlung im Vordergrund von der weiten Landschaft im Hintergrund abzuheben. Eine Vielzahl ebenso winziger wie witziger Details sind in diesen Landschaftszeichnungen versteckt und machen das gemeinsame Lesen zusätzlich zum Vergnügen.

Zapperdockel und der Wocksteht für eine Bilderbuchtradition, die neben dem künstlerischen Anspruch in der Bildgestaltung auch auf den kindlichen Sinn für Humor, Wortwitz und kreative Sprachspiele setzt. Bilderbücher wie dieses tragen zur kindlichen Horizonterweiterung bei, anstatt mit den immer gleichen quietschbunten Grundfarben fest gefügte Weltbilder zu zementieren.
Heike Friesel

Von Heike Friesel, 27.08.2004